Zwei junge Deutsche vor dem groĂen Wurf in Amerika
Wenn die Basketballer Gavin Schilling und Niels Giffey bei der "March Madness" am Samstag gewinnen, kĂ€mpfen sie gegeneinander um den Top-Four-Einzug. Beiden steht eine groĂe Karriere bevor.
Gavin Schilling ist offenbar kein Mann der leisen Töne und der falschen Bescheidenheit. Der 18-jĂ€hrige Deutsche hat schon seit lĂ€ngerem eine professionell gestaltete Website, auf der er sich als "einer der heiĂesten Highschool-Basketballer des Landes, den kaum jemand kennt" bezeichnet. Als im vergangenen FrĂŒhjahr der Wechsel ans College anstand, hatten 16 – zum Teil sehr namhafte – amerikanische UniversitĂ€ten groĂes Interesse an ihm. Sie werden alle einzeln aufgefĂŒhrt. Auch Michigan State. Und dort landete Schilling.
Am Samstag hat der muskulöse Power Forward nun die Chance, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen: Im Rahmen der legendĂ€ren NCAA-Endrunde "March Madness" tritt er mit seinem Team in der dritten Runde gegen Virginia an. Bei einem Erfolg wĂ€re das Top-Four-Turnier am ersten April-Wochenende in Texas nur noch einen Sieg entfernt – und im nĂ€chsten Spiel könnte er auf seinen Landsmann Niels Giffey treffen.
Im Gegensatz zu dem 22-jĂ€hrigen Berliner bestreitet Schilling als sogenannter "Freshman" erst seine erste College-Saison und ist in seiner Mannschaft deshalb noch kein LeistungstrĂ€ger. In den beiden Erstrunden-Partien des Finalturniers, das in den USA traditionell groĂe Aufmerksamkeit erfĂ€hrt und dessen Finale rund 20 Millionen Amerikaner im Fernsehen verfolgen, kam er deshalb nur ein paar Minuten zum Einsatz.
"Sein Potenzial ist phÀnomenal"
Er gilt jedoch als herausragendes Talent, das in seiner letzten Highschool-Spielzeit im Schnitt knapp 14 Punkte und neun Rebounds erzielte. Sein Trainer Tom Izzo gerĂ€t ins SchwĂ€rmen, wenn er auf Gavin angesprochen wird: "Wir freuen uns sehr, dass er sich fĂŒr uns entschieden hat. Er ist jung und bringt trotzdem schon sehr gute körperliche Voraussetzungen mit. Sein Potenzial ist phĂ€nomenal!"
Der 2,07 Meter groĂe und 108 Kilo schwere Schilling ist der Sohn des frĂŒheren Handball-Profis Andreas Schilling. Nach seiner Geburt in Deutschland wuchs er bei seiner Mutter in Frankreich und den USA auf, bevor er fĂŒr ein Jahr nach Deutschland wechselte und dort mit der Nachwuchsschmiede Team Urspring die Jugend-Meisterschaft gewann. Danach ging es wieder zurĂŒck ĂŒber den Atlantik, wo er seitdem lebt.
Wie ehrgeizig er ist, zeigt eine Episode aus dem Jahr 2012: Da trainierte er drei Wochen lang mit Dirk Nowitzkis Entdecker Holger Geschwindner, den der NBA-Star heute noch nach Dallas einfliegen lÀsst, wenn er mit einer Facette seines Spiels unzufrieden ist.
"Das war sehr lehrreich", sagt Schilling. Er weiĂ, dass er trotz allen Talents noch eine Menge Arbeit vor sich hat: "Ich will viel lernen und mich weiterentwickeln." Dabei nimmt er sich vielleicht den prominentesten Michigan-State-Absolventen zum Vorbild: NBA-Legende Earvin "Magic" Johnson, der mit den Los Angeles Lakers fĂŒnfmal NBA-Champion wurde.
Auf einer Stufe mit Rödl
Eine solche Karriere ist fĂŒr Niels Giffey fast ausgeschlossen. Der blonde FlĂŒgelspieler spielt ebenfalls am Samstag im legendĂ€ren New Yorker Madison Square Garden mit den Connecticut Huskies gegen den Favoriten Iowa State und möchte in seiner letzten College-Saison als AuĂenseiter den groĂen Triumph von 2011 wiederholen.
Damals gewann er gleich in seinem ersten Jahr in den USA den NCAA-Titel und schrieb damit Basketball-Geschichte: Nach seinem ehemaligen Trainer Henrik Rödl im Jahr 1993 ist er erst der zweite deutsche Basketballer, der in einem gewonnenen Finale eingesetzt wurde (vier Punkte, sechs Rebounds).
Der zwei Meter groĂe Giffey ist bei den Huskies mittlerweile unumstrittener Stammspieler. Er steht lange auf dem Parkett, obwohl er kein ĂŒberragender Scorer ist und in den beiden Endrunden-Partien insgesamt nur 14 Punkte markierte. Bei der fĂŒr das deutsche Nationalteam mit dem Vorrunden-Aus so enttĂ€uschenden Europameisterschaft 2013 in Slowenien war der gebĂŒrtige Berliner einer der wenigen Lichtblicke. Er fĂŒhlte sich dort auch sehr wohl, sagte: "Hier ist es weniger Business, dafĂŒr viel familiĂ€rer."
Sein Weg fĂŒhrt nun wohl in die Bundesliga. Die Spitzenklubs Bayern, Bamberg, Oldenburg und Ulm sollen an seiner Verpflichtung interessiert sein – das Rennen aber macht offenbar sein Heimatklub Alba Berlin, mit dem Giffey 2009 deutscher Nachwuchs-Meister wurde. "Niels ist ein absoluter Teamplayer mit viel SpielverstĂ€ndnis und einem guten Distanzwurf", lobt Berlins Sportdirektor Mithat Demirel.
Doch das ist noch ein paar Monate hin. An diesem Wochenende geht es fĂŒr Giffey und Schilling erst einmal darum, auf der gröĂten BĂŒhne, die der College-Basketball bietet, so erfolgreich wie möglich zu sein. FĂŒr einen tollen Abschied und einen spektakulĂ€ren Einstand.








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