Der bessere Basketball
Die Playoffs beginnen: In der Euroleague kĂ€mpfen die besten Basketball-Clubs des Kontinents um den Titel. Dank der vielseitig ausgebildeten Profis ist das Teamspiel besser als in der NBA. Deutsche Mannschaften sind bislang nur zweitklassig - aber das könnte sich kĂŒnftig Ă€ndern.
In der NBA beginnt die entscheidende Saisonphase erst in knapp sechs Wochen. Die Basketball-Fans können sich trotzdem freuen. In der europĂ€ischen Eliteklasse, der Euroleague, starten die Playoffs nĂ€mlich schon am Dienstag. Das Viertelfinale ist exquisit besetzt: Unter anderem wollen sich der FC Barcelona, ZSKA Moskau mit Ex-NBA-Star Andrei Kirilenko und Panathinaikos Athen fĂŒr das Final Four in Istanbul (11. bis 13. Mai) qualifizieren.
Die Euroleague ist die Champions League des Basketballs. Die besten Teams des Kontinents treten gegeneinander an und bilden die beste Basketball-Liga der Welt - nach der NBA. Die QualitĂ€tsunterschiede sind allerdings nur klein. Der gröĂte Gegensatz ist die andere Spielweise. WĂ€hrend in Nordamerika die Clubs ihr System nahezu komplett auf die Stars zuschneiden, steht in Europa vor allem das Team im Fokus.
AuĂerdem ist die Athletik in der Euroleague nicht von so entscheidender Bedeutung wie in der NBA, vielmehr kommt es auf die Basics an: eine saubere Wurftechnik, taktische Disziplin, das Finden eines freistehenden Teamkollegen. "Dadurch sind alle Spieler vielseitiger ausgebildet", schreibt etwa der ESPN-Basketballblog "BallinEurope". "Wenn ein Center auch passen kann, entsteht ein völlig anderes Spiel, als wenn er nur als Blocksteller und Dunker in Erscheinung tritt."
Stimmung in den Arenen ist einmalig
Casey Jacobsen, SchlĂŒsselspieler des Deutschen Meisters Baskets Bamberg, hat es in seiner Kolumne auf der Internetseite des Magazins "Slam" auf eine einfache Formel gebracht: "Wenn du in Europa nicht dribbeln, passen und werfen kannst, spielst du auch nicht - jedenfalls nicht bei einem Top-Club." Der frĂŒhere NBA-Profi Kirilenko, mittlerweile zurĂŒck in seiner Heimat bei ZSKA Moskau, sagte kĂŒrzlich im Spox-Interview: "Ich kann mich mit beiden Ligen und Spielweisen arrangieren und mag es hier genauso wie in der NBA."
Ein wichtiger Aspekt fĂŒr den Russen ist die Stimmung in den Arenen. In Nordamerika mĂŒssen die Fans oft auch in den Playoffs vom Hallensprecher dazu animiert werden, ihre Mannschaft lautstark zu unterstĂŒtzen. In SĂŒdeuropa wĂ€re das undenkbar, auch wenn die AnhĂ€nger zuweilen ĂŒber die StrĂ€nge schlagen.
"Ich liebe volle und laute Arenen. Von daher war es eine groĂe Ehre fĂŒr mich, in Istanbul und auch in anderen Hallen zu spielen. Aber ich denke, die Galatasaray-Fans sind einmalig in Europa", sagt Kirilenko, der mit seinem Team zu den Top-Favoriten auf den Titel zĂ€hlt.
Financial Fair Play könnte deutschen Clubs zugute kommen
Neben dem 31-JĂ€hrigen hat ZSKA in Milos Teodosic den wertvollsten Spieler (MVP) der Saison 2009/2010 in seine Reihen, zudem mit Ramunas Siskauskas den MVP von 2008. GröĂter Rivale ist wohl Barcelona um Juan Carlos Navarro. Bei der EM im Vorjahr war es der Shooting Guard, der sein Team zum Titel fĂŒhrte - und nicht etwa die NBA-Stars Pau und Marc Gasol. Auch Titelverteidiger Panathinaikos werden gute Chancen eingerĂ€umt. Rekordsieger Real Madrid (acht Siege) war trotz hochkarĂ€tiger ZugĂ€nge bereits in der Runde der besten 16 ausgeschieden.
Die deutschen Clubs haben in der Euroleague dagegen noch nicht so recht FuĂ gefasst - auch wenn das Final Four in den vergangenen 15 Jahren zweimal in Deutschland ausgetragen wurde (1999 MĂŒnchen und 2009 Berlin). In dieser Saison schied Bamberg wie im Vorjahr unglĂŒcklich in der Vorrunde aus. Das letzte Team, das das Top 16 erreichte, war Alba Berlin 2008/2009. Das könnte sich aber bald Ă€ndern.
Anfang MĂ€rz verstĂ€ndigte sich der Euroleague-Vorstand auf ein "Financial Fairplay"-Konzept, wie es auch die europĂ€ische FuĂball-Union Uefa eingefĂŒhrt hat. Die Clubs dĂŒrfen kĂŒnftig nicht mehr ausgeben, als sie tatsĂ€chlich erwirtschaften. Ein Vorteil fĂŒr die Teams der Basketball Bundesliga (BBL). In dieser gelten ohnehin schon strengere Lizenzauflagen als in den anderen europĂ€ischen LĂ€ndern, wo hĂ€ufig MĂ€zene die Clubs finanzieren.
Die Regelung soll allerdings erst ab der Saison 2015/2016 in Kraft treten. Bis dahin werden die etablierten Top-Clubs dominieren - und den NBA-Mannschaften zeigen, wie man als Team spielt.
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